Sassnitz, Jasmund, Kap Arkona

Ein Thema fehlt bei meinem Rügen-Reisebericht noch. Die berühmten Kreidefelsen natürlich! Sie sind nicht zuletzt durch den romantischen Maler Caspar David Friedrich (1774 – 1840) bekannt geworden. Heute wird man die von ihm dargestellten bizarren Felsformationen aber vergeblich suchen, denn diese Steilküste ist ständigen Veränderungen unterworfen. Im Schnitt wird die Kante der Kreidefelsen durch natürliche Erosion pro Jahr um ca. 25 cm zurück verlegt.

Die Stadt Sassnitz auf der Halbinsel Jasmund bildet den Einstieg in diese Landschaft, die als Nationalpark ausgewiesen und mit einem gut ausgebauten Wander- und Radwegenetz ausgestattet ist. Sassnitz selbst hat nur in Teilbereichen den Charme eines typischen Rügener Seebads, dafür ist es aber eine lebendige und gut ausgestattete Hafenstadt. Der eigentliche Industrie- und Fährhafen liegt in dem einige Kilometer entfernten Stadtteil Mukran. Direkt in Sassnitz liegen vor allem Yachten, Fischerboote und Ausflugsschiffe vor Anker. Und nicht zu vergessen ein ausgemustertes britisches U-Boot, das als Museumsschiff besucht werden kann. Die neueren Stadtteile von Sassnitz liegen hoch oberhalb des Hafens auf dem Steilufer, von dem eine gewundene Straße und eine abenteuerliche Fußgängerbrücke nach unten führen. Die nordöstlich gelegene, sehr überschaubare Altstadt zieht sich in einem Taleinschnitt hinunter bis an die Ostsee. Hier findet man auch einige schöne Beispiele der Bäderarchitektur und eine kleine Strandpromenade, die schließlich in einen Kiesstrand übergeht. Er ist übersät mit bizarr geformten Feuersteinen, deren Hohlräume mit Kreide ausgefüllt sind – beliebte Sammelobjekte und Mitbringsel. An der Promenade fällt ein weiteres Kunstwerk des Architekten Ulrich Müther auf (-> s. Binz), eine „Konzertmuschel“ im wahrsten Sinne des Wortes.

Von Sassnitz aus haben wir eine etwa anderthalbstündige Rundfahrt per Ausflugsdampfer zum Königsstuhl unternommen. Das war eine gute Idee, denn vom Wasser aus wirkt die Kreideküste besonders imposant. Der Königsstuhl ist mit 118 Metern der höchste Felsen in diesem Küstenabschnitt. Früher gab es eine leicht zugängliche Aussichtsplattform auf seinem Gipfel. Bei Besucherzahlen von 400.000 pro Jahr und mehr erschien die Standsicherheit des Felsens aber gefährdet, so dass man zu Beginn der 2020-er Jahre das Gipfelplateau sperrte und einige Meter darüber eine frei schwebende künstliche Aussichtsplattform errichtete – den sog. „Skywalk“. Die an Seilen hängende, 90 Meter lange Schleife ist eine sehenswerte Konstruktion. Sie ist 700 Tonnen schwer und für maximal 1.000 Besucher zugelassen. Ob der Besuch bei einem solchen Gedränge allerdings noch sinnvoll bzw. angenehm ist, sei einmal dahingestellt.

Wir sind vom Großparkplatz Hagen die knapp drei Kilometer bis zum Jasmund-Nationalparkzentrum durch einen wunderbaren, geschlossenen Buchenwald gewandert. Auf dem Skywalk war wenig Betrieb und wir konnten ganz entspannt die Aussicht genießen. Im Eintrittspreis inbegriffen ist auch eine umfangreiche „Erlebnisausstellung“ im Nationalparkzentrum. Sie ist wirklich interessant und technisch perfekt gemacht und unbedingt einen Besuch wert.

Sehenswerte Kreidefelsen findet man auch am Kap Arkona, dem (fast) nördlichsten Ende Rügens. Vom Großparkplatz bei dem hübschen kleinen Ort Putgarten mit seinen vielfältigen Angeboten sind wir zunächst zu dem kleinen Fischerdorf Vitt spaziert. In einer urigen Fischräucherei direkt am winzigen Hafen haben wir frisch geräucherten Fisch direkt aus dem Räucherofen gekostet – wirklich super! Wir sind noch anderthalb Kilometer weiter entlang der Steilküste zu einem „Steilküsten-Café“ gewandert, wo man wunderbar in Strandkörben hoch über der Küste sitzen und köstlichen selbst gemachten Kuchen essen kann. Dann ging es über den Hochuferweg zum eigentlichen Kap, vorbei an einem Standbild von Caspar David Friedrich, der auch hier nach Motiven für seine Bilder gesucht hat. Kap Arkona wurde lange Zeit militärisch genutzt, worauf nicht nur die beiden Leuchttürme und ein Marine-Peilturm hinweisen. Es gibt hier auch mehrere große Bunkeranlagen, von denen die größte besichtigt werden kann. Touristische Angebote sind natürlich ebenfalls vorhanden. Leider war bei unserem Besuch der größte und interessanteste Leuchtturm komplett eingerüstet und wir mussten mit dem relativ kleinen Peilturm vorlieb nehmen.

So, das war’s jetzt von Rügen. Nur noch ein paar Fotos:

2 Kommentare

  1. gerd

    Toller Reisebericht!!! Und dazu noch gutes Wetter! Am besten gefällt mit Bild 15, den als wir dort waren, gab es noch keine Rundfahrten. Auch die Plattform am Kreisels gab es noch nicht.Es war hat kurz nach der Wende.

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