Binz, Prora, Jagdschloss Granitz

Von Lübeck sind wir weiter zur Insel Rügen gefahren und haben für 12 Tage Station im Seebad Binz gemacht. Das hat bestens gepasst, denn Binz macht der Bezeichnung „Seebad“ alle Ehre und liegt zudem recht zentral an der Ostküste der Insel. Zu diesem frühen Zeitpunkt war es noch nicht sonderlich voll, was wir als ganz angenehm empfunden haben. Die kleine Stadt besticht durch eine typische „Bäderarchitektur“ mit repräsentativen weißen Häusern, vorgesetzten hölzernen Balkonen, Türmchen und Erkern. Da kaum ein Haus im Zentrum aus der Reihe tanzt, entsteht ein sehr geschlossenes Stadtbild, an dem man sich kaum satt sehen kann. Eine lange Seebrücke ragt weit in die Ostsee hinaus und oberhalb des Strandes erstreckt sich die gut bestückte Promenade über mehr als vier Kilometer bis nach Prora. Der breite Sandstrand ist übrigens genauso lang, wobei alle zwei bis dreihundert Meter eine Toilettenanlage und ein Ausguck der DLGR zu finden sind. Wirklich super!

Am südlichen Ende der Strandpromenade fällt ein ungewöhnliches architektonisches Objekt ins Auge, das an eine fliegende Untertasse erinnert – der „Müther-Turm“. Sein Erbauer, der Architekt Ulrich Müther war ein Spezialist für Beton-Schalenkonstruktionen und erstellte dieses futuristische Gebäude 1981 als Rettungsturm. Nach umfangreicher Sanierung dient es heute allerdings als Trauraum des Standesamtes.

Mit der obligatorischen Gästekarte kann man kostenlos per Regionalbus von Binz aus bis nach Prora und darüber hinaus fahren. Zudem gibt es in Binz einen Haltepunkt des „Rasenden Roland“, einer dampfbetriebenen Schmalspurbahn, die in einem weiten Bogen den südöstlichen Teil der Insel erschließt.

Wir haben den Regionalbus gleich ausprobiert und sind zu einem Baumwipfelpfad in der Nähe von Prora gefahren. Der Pfad führt über hölzerne Stege zwischen den Baumkronen hindurch und ist über zwei Kilometer lang. Ein großer Teil der Strecke verläuft allerdings gewendelt innerhalb von zwei mächtigen Türmen, wobei sich der größere hoch über die Baumkronen erhebt, sodass man auch in einigen zig Jahren noch freie Sicht haben wird. Wirklich gewaltig.

Dann ging es weiter zum „Koloss von Prora“, einem Gebäudekomplex von 2,5 Kilometern Länge, der von der Nazi-Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF) von 1936 bis 1939 als „KdF Seebad Rügen“ errichtet worden war. (Ursprünglich war er sogar 4,5 km lang, ein Teil ist aber während des Krieges gesprengt worden.) Dieses wenig anheimelnde Seebad ist dann aber wegen des Kriegsbeginns nie in Betrieb gegangen. Das hatten die Organisatoren offensichtlich schon vorhergesehen und es vor vorne herein so ausgelegt, dass es auch als Lazarett genutzt werden konnte. Während der DDR-Zeit diente der riesige Komplex vor allem militärischen Zwecken. Seit einigen Jahren werden jetzt die schon im Verfall begriffenen Gebäude an Privat veräußert und zu Eigentumswohnungen, Ferienwohnungen oder für gewerbliche Zwecke umgenutzt. Die sanierten Teile sehen zwar richtig modern aus, trotzdem hat das Ganze aber etwas Unpersönliches und ich glaube nicht, dass ich dort wohnen möchte.

Wir haben von Binz aus auch einen Spaziergang zum Jagdschloss Granitz gemacht, das in einem bewaldeten Höhenzug zwischen Binz und Sellin liegt. Es ist ein sehenswertes Bauwerk, dessen zentraler Turm über eine filigran gearbeitete Wendeltreppe bestiegen werden kann.

Und jetzt ein paar Bilder:

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